Frame 2wenty 4our

Social Advertising

www.holgerappel.com

Mittwoch, 28.05.2008, 10.30 Uhr Simulation

Posted am Dienstag 03 Juni 2008 um 15:18.46 von Abbey

Wie beim letzten Mal auch, empfängt mich wieder die kleine Asiatin. Ich muss den Oberkörper frei machen und mich auf die Liege des Meßtisches legen.
Hier bekam ich beim letzten Besuch die Markierungen auf die Haut gemalt und die Maske wurde hier angefertigt.

Eine Art Röntgengerät fährt zuerst um meinen Oberkörper im Bereich der Lunge, dabei zeichnet die Ärztin weitere Markierung auf meine Haut.

Dann wird mir die Mske aufgesetzt und festgespannt. Auf die Maske wird seitlich Pflaster geklebt, auf die später Markierungen gezeichnet werden, erklärte mir die Ärztin.

Die kleine Asiatin die beim letzten Besuch die Maske angefertigt hat und der ich von meiner Angst darunter erzählte hatte, erinnerte sich und meint, dass ich die Maske heute nicht sehr lange tragen muss.
Nachdem das Gerät mehrmals um meinen Kopf gefahren war und die Markierungen angebracht waren, ist die Aktion beendet und ich werde entlassen.
Zuvor erklärte mir die Ärztin noch, dass ich die bestrahlten Stellen drei Mal täglich mit Baby Puder zu behandeln hätte.
Ok, seitdem benutze ich "Penaten Baby Puder" - beugt Hautrötungen vor. Ein roter Schädel sieht wirklich nicht appetitlich aus.

Übrigens Schädel: auf dem wächst seit ca. 14 Tagen Tagen ein weisser Flaum.
Eine Freundin sieht sich den Flaum genauer an und meint: "Da wachsen Haare an Stellen die früher kahl waren"! Chemotherapie als Haarwuchs- mittel? Wohl eher nicht!
Die momentane "Haarpracht" wird die nächsten fünf Wochen wohl nicht überleben; Haarausfall ist eine der wenigen ertragbaren Nebenwirkungen der Therapie.

Donnerstag, 29.05.08, 09.00 Uhr, 1. Bestrahlung

Ich melde mich bei der Anmeldung und werde gebeten im Wartebereich Platz zu nehmen.
Etwas später ruft mich eine Schwester in eine der Umkleidekabinen und fordert mich auf den Oberkörper frei zu machen. Anschließend führt sie mich durch eine automatische Tür in einen ca. 10 m langen Gang der in einem Raum von ca. 100 qm Größe endet.
In der Mitte des Raums steht die Bestrahlungsanlage, eine Bedienungs- einheit hängt von der Decke, die Beleuchtung ist gedämmt.
Nach Aufforderung der Schwester lege ich mich auf den Tisch. Der Kopf ist in den schwarzen Klotz zu legen, die Knie sind über dem Unterstützungs- kissen zu plazieren.

Zuerst wird die Lunge bestrahlt. Von allen vier Seiten ca. 15 bis 20 Sekunden je Stellung.
Aus den Augenwinkeln heraus sehe ich vor jeder Bestrahlung eine Lampe aufleuchten, kurz darauf brummt ein Trafo, danach ein Zweiter.
Vor dem Ändern auf die nächste Position, kommt die Schwester herein und wechselt eine Plexiglasplatte in dem Bestrahlungskopf aus, die verschiedene Bohrungen aufweist.
Anschließend verlässt die Schwester den Raum und die Anlage fährt in die nächste Position.
Danach wird mir die Maske für die Bestrahlung des Schädels aufgesetzt und festgespannt. Wieder habe ich das Gefühl der absoluten Hilflosigkeit.
Die Maske sitzt so stramm, das ich noch Stunden später die Abdrücke davon auf der Stirn habe.
Die Schwester kommt herein und fährt die Liege in die Ausgangsposition.
Undramatisch ist damit die erste Sitzung beendet.

Freitag, 30.05.08 14.10, 2. Bestrahlung

Nach der Anmeldung, das nette Mädel an der Anmeldung kennt inzwischen meinen Namen, werfe ich meine Terminkarte in einen Briefschlitz.
Damit teile ich der Bestrahlungsabteilung mit, das ich eingetroffen bin.

Pünktlich werde ich aufgerufen. Oberkörper freimachen, Handtuch nehmen und in den Bestrahlungsraum gehen.
Brille ablegen, Handtuch auf den Tisch legen, den Kopf in dem Gummiklotz plazieren und die Beine über die Kniepolster legen. Das ist die Prozedur die man bei jeder Behandlung auszuführen hat.
Danach beginnt die Bestrahlung.
Der Kopf sollte diesesmal zuerst bestrahlt werden. Die Schwester musste sich sehr anstrengen um die Maske in den Verschlüssen festzusetzten, sie benötigte mehrere Versuche bei denen ich den Kopf immer wieder in eine andere Stellung bringen musste. Mit Hilfe einer Kollegin gelang es ihr endlich meinen Schädel festzusetzen.
Die Maske drückte während der Behandlung sehr stark auf Kinn und Stirn. So stelle ich mir Folter vor.

Nach der "Folter" versicherte mir die Schwester, dass die Maske geändert werden würde. Ich hörte aus dem Hintergrund wie sie mit ihrer Kollegin darüber sprach und das Wort 'Fön' fiel.
Anschließend erfolgte die Bestrahlung der Lunge.
Als ich zurück in meine Umkleidekabine komme, liegt dort meine Terminkarte mit dem nächsten Termin.

Montag, 02.06.08 12.50, 3. Bestrahlung

Die gleiche Prozedur wie bei den anderen Bestrahlungen.
Die Maske war etwas geweitet worden, so dass es darunter auszuhalten war, nur auf der Stirn saß sie noch sehr fest, so konnte man die Abdrücke noch einige Zeit später darauf bewundern.
Ca. eine Stunde nach der Bestrahlung zeigte sich die erste spürbare Nebenwirkung, Übelkeit.
Nun war sie wieder da! Was habe ich nicht schon alles an Mitteln ausprobiert um ihr entgegen zu wirken, nichts hat geholfen. Man ist, wie unter der Maske, absolut hilflos.
In den nächsten Stunden traue ich mich nicht aus dem Haus, denn sollte mich die Übelkeit auf der Straße überkommen, müsste ich mich vielleicht von Passanten beschimpfen lassen: "Sie sollten nicht soviel trinken"!
Einem Patienten aus der Strahlentherapie ist das passiert. Ein Hilfeangebot erhielt er nicht.
Deshalb sehe ich immer zu, das ich nach der Behandlung schnellstens nach Hause komme, damit mir soetwas nicht passiert.
Zu meinem Glück dauerte die Übelkeit nicht sehr lange an, so konnte ich noch zum Einkaufen fahren.
Die nächste Behandlung habe ich am Dienstag, den 3. Juni 2008 um 12.30 Uhr.

Dienstag, 03.06.08 12.30, 4. Bestrahlung

Heute mußte ich ca. 45 Minuten warten bis ich aufgerufen wurde. Seit ich meine Zeit des öfteren in Wartezimmern verbringen muß, gehört zu meiner Ausrüstung eine Zeitschrift. So ist die Wartezeit einigermaßen sinnvoll zu nutzen.
Nach einiger Zeit in der Umkleidekabine wurde mir übel, das Ärgste konnte aber verhindert werden.
Die Prozedur war wieder die Gleiche. Zuerst wurde der Kopf bestrahlt. Unter der Maske stellte ich mir die Frage: was passiert wenn mir in dieser Situation übel wird und das Ärgste nicht zu verhindern ist?
Die Frage stellte ich nach der Behandlung der Schwester.
Ich würde die gesamte Zeit von ihr und einer Kollegin beobachtet, sollte mir unwohl werden solle ich einen Arm heben, erklärt sie mir.
Abschliesend meinte sie: "Also stellen Sie hier nichts an, Sie werden beobachtet"!
Die nächste Behandlung habe ich am Mittwoch, den 4. Juni 2008 um 14.10 Uhr.
 Geändert am: Mittwoch 04 Juni 2008 20:58.30

Posted in Tod (RSS)